HSV Zeitfahren 2009

...aus der Sicht eines Teilnehmers

Datum: 15. September 2009

HSV Radsport

Die Radsportsaison neigt sich im Herbst leider schon wieder dem Ende zu. Ein Highlight steht dann aber noch aus: Das berüchtigte Einzelzeitfahren auf der Kreisstrasse von Bawinkel zum Helter Kreisverkehr und zurück. Durch einen gestaffelten Start im Abstand von einer Minute ist beim Einzelzeitfahren jeder Radsportler auf sich allein gestellt und kämpft nur gegen die Uhr und vielmehr noch gegen sich sellbst.

Als „Nicht-Radsportler“ kann man sich vielleicht nur schwer vorstellen, welchen Qualen man sich auf dieser Sprintstrecke von 13,6 km aussetzen kann. Deshalb hier der Bericht eines Teilnehmers:

7.30 Uhr

Aufstehen. Reiße sofort die Jalousien hoch: Mist! Regen und Wind. Naja, vielleicht bessert sich das Wetter ja noch bis zum Start. Erstmal frühstücken und den Kornspeicher auffüllen.

8.30 Uhr

Trete vor die Haustür. Immer noch trübe Aussichten. Wenigstens das gestern bis ins letzte Detail gereinigte Rad blitzt mir in der Garage entgegen. Am Material soll’s ja schließlich nicht liegen.

9.30 Uhr

Der Helm sitzt. Wir radeln uns bis zum Start in Bawinkel schon mal warm. Unterwegs das übliche „taktische“ Vorgeplängel: Zeiten der Vorjahre werden diskutiert, über Wehwehchen geklagt....langsam schleicht sich so ein Gefühl hoch: Habe ich wohl genug trainiert?

10.00 Uhr

Auslosung aller Startpositionen: Auf meinem Los steht die Startnummer 11 und zur Aufmunterung der Spruch „Quäl Dich Du Sau! Dieser Spruch wird in 10 Minuten Realität. Horrormeldungen vom extrem scharfen Gegenwind machen die Runde.

10.10 Uhr

Endlich bin ich an der Reihe. 3,2,1 Los! Auf den ersten Metern gebe ich richtig Gas: 35, 38, 41 kmh. Wenn Ich in diesem Tempo weiterfahre, bin ich im Soll und kann vielleicht meine persönlich Bestzeit schlagen. Vom angesagten Gegenwind ist jedenfalls noch nichts zu spüren.

10.12 Uhr

Der Atem wird schneller und meine Beine fangen langsam schon an zu Brennen. Was sagt der Tacho: 41 kmh Gut, bin noch im Soll.

10.13 Uhr

Nach ein paar Kurven schlägt mir der Wind jetzt doch voll in das Gesicht. Die kmh Anzeige auf meinem Tacho fällt bedenklich. Jetzt heißt dranbleiben. Nicht schon jetzt den Schnitt und damit die Gesamtzeit versauen!

10:17 Uhr

Fühle mich jetzt schon total ausgebrannt. Und zur „Belohnung“ sinkt die kmh Anzeige weiterhin bedenklich. Mit der Bestzeit wird’s heute garantiert nichts mehr. Der Wendepunkt und Kreisverkehr ist in Sichtweite aber kommt irgendwie nicht näher.

10:21 Uhr

Habe den Kreisverkehr mit letzten Kräften erreicht. Die Kräfte der Natur haben mich geschafft. Jetzt noch mal durchbeißen und Schwung für den Rückweg aufnehmen! Jetzt sollte ja Rückenwind kommen.

10:21:10 Uhr

Im Kreisverkehr keine Zeit liegen lassen. Versuche einen engen Radius zu fahren. Da passiert’s: Meine linke Pedale streichelt den rauen Asphalt. Und mein Rad hoppelt weg. Uiuuuhhh, gerade noch mal gut gegangen. 3 zusätzliche mg Adrenalin betäuben meine Schmerzen.

10:22 Uhr

Es läuft wieder besser. Der Rückenwind verschafft den geplagten Muskeln ein wenig Entspannung. Der Tacho ist wieder jenseits von 40kmh. Geht jetzt doch noch etwas? Ich sehe auf der Gegengeraden meine Mitstreiter an mir vorbeifliegen. Die scheinen aber noch gut drauf zu sein!

10:24 Uhr

Rückenwind? Was ist das? Spüre nur noch Gegenwind. Auch wenn das eigentlich nicht sein kann. Mein ganzer Körper brennt und die Uhr tickt gnadenlos weiter.

10:27 Uhr

Wann bin ich endlich da? Es geht nichts mehr. Warum tue ich mir das nur wieder an? Würde mein Fahrrad am liebsten in das Maisfeld werfen. Egal, weitermachen, Verstand ausschalten und treten.

10:31 Uhr

Sehe im Dunstkreis meiner Augenwinkel die Ziellinie und setzte noch einmal zum letzten Sprint an. Jaaaaaaa, ich habe es geschafft. Jede Körperzelle brennt.

10:32 Uhr

Vorbereitet, alles gegeben und es hat wieder nicht es zur persönlichen Bestzeit gereicht. Mein Körper scheint innerlich zu verbrennen. Trotzdem stellt sich nach kurzer Zeit sofort wieder ein gutes Gefühl ein. Ich war dabei und habe es geschafft!

Und hier die Top 10 der HSV Wertung im Einzelzeitfahren:

Platz Name Zeit in min.
1 Michael Josch 20:07
2 Werner Tänzler 20:40
3 Willi Schulte 20:47
4 Michael Pfeiffer 20:53
5 Dirk Mimjähner 21:23
6 Guido Hengemühle 21:27
7 Robert Winkler 22:01
8 Jörg Hengemühle 22:06
9 Manfred Dreyer 22:28
10 Berthold Pfeiffer 23:14

Und am Ende der Radsportsaison ist einer ganz oben: Willi Schulte. Nach dem Einzelzeitfahren steht fest, dass Willi unser neuer Vereinsmeister ist. Er hat im Laufe der Saison die meisten Punkte für die Vereinsmeisterschaft gesammelt und war auch im abschließenden Einzelzeitfahren richtig erfolgreich. Herzlichen Glückwunsch Willi, Du hast es Dir den Titel wirklich verdient!

Unser Vereinsmeister Willi Schulte. Auch nach dem harten Einzelzeitfahren immer noch locker und entspannt.

Und jetzt kommt für viele der eindeutig schönere Teil des Tages: Auf der Terrasse bei Dirk und Andrea gibt es im Anschluss noch ein kühles Bier und leckere Grillwürstchen. Wir haben dort noch lange und ausführlich über technische Finessen und Tagesformen philosophiert. Auch hier beweisen wir großes Steh- bzw. Sitzvermögen: Die letzten gehen um 21:30 Uhr!

Die Stimmung beim anschließenden Grillen bei Dirk und Andrea war klasse.

Ich freue mich jedenfalls schon wieder auf das nächste Zeitfahren und bin auch 2010 sicher wieder dabei!

Dirk Mimjähner

Termine

 

 

 

 

» "Termine"

Aktuelles Wetter