Das erste Mal...

...als Mountainbiker unterwegs

Datum: 07. Dezember 2009

Das erste Mal...

Heute, am Nikolaustag des Jahres 2009 ist es passiert... Mein erstes Mal!

Viele spannende Jahre auf dem Rennrad habe ich bereits erlebt. Aber was das Fahren auf einem Geländefahrrad, neudeutsch Mountainbike, anbetrifft, war ich sprichwörtlich noch „jungfräulich“. Ich war bislang ein Geländefahrradverweigerer. Im Herbst/Winter ist es kalt. Meistens regnet es. Die Nässe macht einem zu schaffen. Und der Schlamm ist, wenn’s nicht gerade friert, allgegenwärtig. Dann läuft man auch noch Gefahr auf die „Schnauze“ zu fallen. Hinterher das Rad vom besagten Schlamm wieder befreien. Und erst die versauten Klamotten... Nein, das alles ist nichts für mich! Basta!!

Gut, ich hatte von Huke, von Werner, Michael, Stürmi und wie unsere HSV-Mountainbiker alle heißen,  schon eine Menge von dem Spaß gehört, den das biken im Gelände bringen soll. Dazu muss man wissen, das unsere HSV-Biker jeden Sonntag um 10.00 Uhr von der Plesse zu einer ca. 45 km langen Geländerunde starten. Seit Jahren höre ich in Gesprächen davon, wie es ist, den sagenumwobenen „Teufelsberg“ ohne absteigen zu bezwingen. Natürlich kenne ich das berühmt berüchtigte „Steilufer“ und andere Gemeinheiten dieser Runde vom hören sagen. Aber selbst fahren... Ich doch nicht!!

Aber dann brachte mir vor zwei Wochen ein gewisser Robert Th. aus H. sein „Geländefahrrad“ einfach so vorbei. Ungefragt, nur zum probieren, wie er sich ausdrückte. Frechheit!! Ich bin doch seit Jahren ein überzeugter Verweigerer. Nun ja, da stand „es“ nun, lachte mich an (so kam es mir jedenfalls vor) und wollte „probiert“ werden. Und was sag ich euch, ich habe es probiert...

Nach gerade einmal drei kurzen Probefahrten (abends, fast schon im dunklen wenn’s keiner gesehen hat) habe ich die „Herausforderung“ angenommen und mich heute, am Nikolaustag, zum ersten Mal mit der Mountainbiketruppe zur Sonntagsausfahrt um 10.00 Uhr getroffen. Allerdings war ich zwischendurch auf ein so genanntes Crossrennrad (ein Mittelding zwischen Rennrad und Mountainbike) umgesattelt. Dieses Teil hat in tiefem und schwerem Gelände einige Nachteile, soll aber in der Ebene und bei Trockenheit Vorteile haben, weil’s leichter und damit schneller ist. Auch dieses „Geschoss“ hatte mir Robert Th. aus H. wieder ungefragt vor die Garage gestellt. Was bildet sich dieser Bengel eigentlich ein...?

Nun stand ich also da, auf der Plesse, mit schlotternden Knien. Mein erster „Ritt“ durchs Gelände auf „fürchterlichem“ Terrain stand mir bevor. Passend dazu hatte es in den letzten Tagen geregnet. Also Matsch und tiefer Boden. Nach dem ersten fröhlichen Hallooo meiner Mitstreiter Huke, Michael, Karl-Heinz, Clemens, Manni, Stürmi und natürlich Robert Th. aus H., kommen auch schon die ersten skeptischen Blicke (hab ich mir vielleicht auch nur eingebildet) und der Spruch: „Tauscht lieber die Räder“. (Hintergrund: Alle waren auf einem geländetauglichen Mountainbike angetreten. Nur ich auf einem, bei diesem Schietwetter schwerer zu fahrenden, Cross-Rennrad. Der erfahrene Robert Th. aus H. und ich sollten lieber die Räder tauschen, war gemeint). Meine Kameraden hatten wirklich Sorge um mich. Aber das ließ mein Stolz nicht zu.  „Pah, nix da“, sagte ich. „Lasst uns fahren...“. Wenn sich das man nicht noch rächen sollte.

Und schon ging’s los. Locker durch die Distelweide. Ich reihe mich brav am Ende ein. Nur Robert hält sich noch hinter mir. Rein in den Trimm-Dich-Pfad. Ein paar Kurven und am Ende ein paar Meter mit Schwung hoch. „Wieso fahren die denn alle da links hoch wo es so steil ist, geht doch auch rechts...“, denke ich noch… und sehe dann erst die blöde Betonkante. Also bremsen, links rüber, versuche noch mich hochzudrücken. Aber der Schwung ist weg. Ich bin zu langsam, ich komme zum Stehen... kippe um und liege auf der Nase. Schei.., denke ich nur. Hast doch den Mund zu voll genommen. Keine 500 Meter gefahren und schon hat’s mich umgehauen. Gott sei Dank hat dies nur Robert mitbekommen. Die anderen waren schon vorneweg. Er spricht mir beruhigend zu und wir versuchen den Rest der Truppe wieder einzuholen, was dank des schnellen Rades auch gelingt. Mit dem ersten Sturz ist es vermutlich so wie mit dem ersten Kratzer am Auto. Ist er erst mal dran, nimmt man die Sache lockerer. So geht es auch mir. Das Geläuf wird zwar tiefer, die Pfade (Insider sprechen von Singletrails) werden schmaler. Aber es läuft. Ich kann mithalten. Freund Robert hält sich dicht hinter mir und gibt mir kurze, unheimlich hilfreiche Tipps. „Es wird matschig, mit Tempo dadurch“ oder „kleinen Gang, gleich wird’s steil“. Ich habe verstanden. Wer das Gelände kennt ist klar im Vorteil.

Anfahrt zum „Teufelsberg“. Wer hier ohne abzusteigen hoch kommt, darf sich schon was einbilden (na ja, ein kleines bisschen wenigstens). Auf Roberts Kommando: „Teufelsberg…., kleinster Gang“, gehorche ich widerspruchslos…. und bin gespannt was passiert. Vor mir hat gleich unten jemand zu spät geschaltet, muss vom Rad und versperrt den Weg. Also muss auch ich absteigen, schultere das leichte Crossrad und laufe vorbei. „Spring wieder drauf, den Rest kannst du hoch fahren“, höre ich von meinem persönlichen Begleiter. Gut dann tue ich das doch und drücke im kleinsten Gang, im Sitzen den Teufelsberg hoch. Ich kann sogar Boden gut machen und ereiche den „Gipfel“. Geschafft! Ohne abzusteigen (na ja fast) diesen Hügel bezwungen. Aber dann, au weija, was ist das? Da soll ich runter fahren. Das ist so steil und schmal. Mir geht der Ar… auf Grundeis. Und links und rechts die Bäume. Viel zu gefährlich! „Zieh die Bremse und dann runter“ höre ich von hinten. Also schleiche ich den Teufelsberg (jetzt weiß ich warum er so heißt) bremsender Weise runter, während meine Kollegen es mit richtigem Speed einfach runter laufen lassen und ich sie nur noch aus der Ferne sehe.

Aber deren Vorsprung haben wir („Schutzengel“ Robert ist immer noch da) schnell wieder aufgeholt. Und langsam werde ich euphorisch. Wenn man den Teufelsberg schafft, dann sicher auch den Rest. Über Bückelte und Lehrte erreichen wir Bokeloh. An der Hase entlang, vorbei an Bauer Wekenborg, Richtung Meppen. Mir geht’s immer besser. Ob Schlammlöcher, Baumwurzeln, rauf und runter. Egal, nicht viel überlegen. Aufs Pedal drücken und Gas geben. Dann hält man die „Möhre“ am besten in der Spur. Es fängt an Richtung Spaß zu machen. Ich habe sogar Zeit meine Mitstreiter zu beobachten um von ihnen zu lernen. Von Michael, der auch im Gelände vorne weg prescht. Von Stürmi, der bis zuletzt alles gibt. Von Manni, der einfach nicht aufgibt. Von Clemens, bei dem alles leicht und behände aussieht. Von Karl-Heinz, der mit ganz kleinen Gängen flink die Hügel erstürmt. Von Huke, der eine geradezu atemberaubende Fahrtechnik hat, und von Robert, der scheinbar jede Baumwurzel persönlich kennt und sie mir ansagt.

In Bokeloh am Altarm der Hase vorbei und dann am „Steilufer“ (befindet sich hinter der ehemaligen Kiesgrube von Holt) entlang. Wer auf diesem Singletrail ohne zu stürzen durchkommt ist ein echter Geländefahrer. Dieses technisch schwierigste Stück (sind zwar nur gut 500 Meter) hat es richtig in sich. Der Pfad ist teilweise kaum zu erkennen. Hervorstehende Wurzeln, kurze steile Rampen, matschige Senken, im Weg liegende Bäume und ganz enge Kurven. Hier zeigt sich wer sein Rad beherrscht. Und ich komme durch. Zwar mit etwas Verspätung, aber ohne Sturz. Tolles Gefühl (Dass ich vorher hier schon ein bisschen geübt habe, habe ich natürlich keinem erzählt).

Jetzt gehen die Pferde mit mir durch. Das nahe Ziel vor Augen lasse ich das Crossrennrad auf dem Weg durch das „E und E-Gebiet“ Richtung „Hof-Cafe Biberburg“ noch mal so richtig laufen. Mensch macht das Spaß! Nach gut zwei Stunden ist meine Premiere beendet, denn in Lahre trennen sich unsere Wege. Ich bedanke mich artig für den schönen Sonntagvormittag und biege ab nach Hause. Meine ersten gut 50 Kilometer im Gelände mit der Gruppe liegen hinter mir. Ich sehe zwar nun aus wie ein Schw…, aber bin total happy….. und nun nicht mehr „jungfräulich“. Und das ist echt ge..

Fazit: Radfahren ist auch oder gerade bei schlechtem Wetter toll. Wenn Fußballer wegen matschiger Plätze einpacken und die Beine hochlegen, schlägt die Stunde der Geländefahrer. Ich glaube ich komme wieder. Dieses Erlebnis muss ich mir einfach öfter geben.

Ach ja, Robert Th. aus H.. Vielen vielen Dank!! 

Zu guter Letzt möchte ich noch erwähnen, dass Josef Poll in diesem Jahr das 70. und Berthold Pfeifer das 60. Lebensjahr vollendet haben. Beide gehören zu den Urgesteinen des Haselünner Sports. Die Radsportabteilung des HSV wünscht Euch beiden eine gute Gesundheit und weiterhin viel Spaß auf dem Rad.

Aber leider mussten wir in diesem Jahr auch einen herben Verlust beklagen. Unser Radsportmitglied Joost Segelhorst ist am 26.05.2009 im Alter von 69 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben. Joost war in den letzten Jahren ein fester Bestandteil unserer Radsportgruppe. Wir werden ihn als netten, aufrichtigen und immer gut gelaunten Menschen in Erinnerung behalten. Er war ein für sein Alter richtig gut trainierter Sportler, der bei uns seine Leidenschaft für das Radtourenfahren entdeckte. Vor allem aber war er ein lieber Kerl, der uns auch immer mal wieder mit seinen emails zum Schmunzeln brachte. Joost wird uns als Radfahrer, vor allem aber als Mensch fehlen. Sein angenehmer "Berliner Dialekt" wird uns im Ohr bleiben. Wir werden Joost nicht vergessen.

Das Jahr 2009 ist (fast) zu Ende. Die Radsportler des Haselünner sagen DANKE an alle, die uns auch in diesem Jahr wohl gesonnen waren und unterstützt haben. Wir wünschen allen frohe und gesegnete Weihnachten und ein gutes und gesundes Jahr 2010.

Willi Schulte

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