Goldenstedt

- Where the hell is Goldenstedt?

Datum: 29. Juni 2006

Sonntag, 18. Juni 2006, Startzeit 7:30 Uhr, Wetter sonnig, Wind mäßig aus Südost. Auf nach Goldenstedt, hieß es beim Mittwochstraining, Sternfahrt zur RTF. Alle müssen mitkommen, damit wir den Pokal für die stärkste Mannschaft bekommen.

Also dann, muss ich wohl auch mit. Ausreden fallen mir nicht ein, obwohl ich dabei sonst ziemlich kreativ bin. Erstens ist das Wetter schön, da fällt das Argument einer möglichen Erkältungskrankheit schon aus. Zweitens habe ich – ich gebe es ungern zu- das Radfahren in diesem Jahr ziemlich vernachlässigt. Und da die Badesaison vor der Tür steht, muss der Körper dringend gestählt werden, bemerkte meine Frau letztens. Und drittens habe ich mich schließlich bereit erklärt, einen Artikel zu schreiben.

Das Problem ist nur, dass ich mich nicht mehr erinnern kann, wo Goldenstedt überhaupt liegt. Ich befürchte, dass das irgendwo im Osten und vor allen Dingen ziemlich weit weg ist, gemessen an meinem Konditionszustand. Ich traue mich auch nicht auf der Karte nachzusehen. Nutzt ja nichts. Aber ich fahre ja nicht alleine. Wird schon schief gehen. Zur Not holt mich meine Frau irgendwo ab, rede ich mir ein.

Radtourenfahrten

Radtourenfahrten, kurz RTF, werden von Radsportclubs organisiert und finden an allen Wochenenden überall in Deutschland statt. Bei diesen Veranstaltungen können beim Bund Deutscher Radfahrer registrierte Hobbyradler je nach Streckenlänge Punkte für die Jahreswertung sammeln. Meistens werden Streckenlängen von ungefähr 40, 70, 110 und 150 km angeboten. Bei einigen Veranstaltungen werden zusätzlich Radmarathons mit über 200 km Streckenlänge organisiert. Dafür werden dann 1 bis 5 Punkte auf einer Wertungskarte gutgeschrieben. Wer mehr als 25 Punkte im Jahr erradelt, erhält als Belohnung eine Plakette. Unterwegs werden Kontroll- und Verpflegungsstellen eingerichtet, um die Sportler bei Kräften zu halten. Mannschaften können sich zu einer so genannten Sternfahrt anmelden. Dann wird die Hin- und Rückfahrt per Rad vom Heimatort zum Austragungsort der RTF in die Kilometerwertung aufgenommen und mit den entsprechenden Punkten belohnt. Die stärkste Mannschaft wird bei vielen Veranstaltungen mit einem Pokal belohnt.

Also werden noch schnell die Reifen aufgepumpt, die Trinkflaschen gefüllt und die Kette geölt. Am Material soll es nicht liegen! Auf geht’s zum Treffpunkt bei „Poll“. Kunterbunt gekleidet treffen die Kollegen ein, obwohl der „Chef“ vorher die Kleiderordnung verkündet hatte.

Als die Ortsnamen Wildeshausen und Vechta fallen, werden meine Befürchtungen war. Im Osten und ziemlich weit weg liegt Goldenstedt. So 150 km werden es schon werden, sagt einer, das hätte der Routenplaner berechnet. Allerdings schlägt der Routenplaner immer Hauptstraßen vor, aber die wollen wir ja tunlichst meiden.

Los geht es über bekannte Straßen Richtung Osten, über Bookhof, Hahnenmoor, Aselage, Menslage, Quakenbrück und Vechta. Anfangs in bekannten Gefilden nutzen wir schmale, wenig befahrene Straßen. Da kennen wir mittlerweile jeden Weg. Später werden die Ortskenntnis geringer und die Straßen breiter. Aber es rollt gut, so dass wir bei gleichmäßiger Fahrweise und mehreren Fronleichnamsprozessionen nach rund 78 km und 3 Stunden Fahrzeit die Schule Goldenstedt erreichen. Mir geht es eigentlich noch ganz gut, obwohl sich der verlängerte Rücken meldet und die Nackenmuskulatur kneift.

Goldenstedt RTF

Am Zielort müssen wir uns die vorbereiteten Tische und Bänke nur mit weniger Radfahrern teilen, denn die meisten sind ja zum offiziellen Start um 09:00 Uhr losgefahren und noch unterwegs. Nachdem die Punkte auf den Wertungskarten eingetragen sind, geht es zur Stärkung. Die Bestellung von mehreren Kannen Kaffee und 30 Brötchen bringen die Helfer dann ganz schön auf Trab. Hier könnte ich bleiben. Leider ist der Grill noch nicht heiß, so dass Würstchen und Schnitzel unerreichbar sind. Und ein kühles Bier verbietet sich zurzeit von selbst.

Die Diskussion über den geeigneten Rückweg konzentriert sich auf die Frage nach dem kürzesten Weg. Schöne Landschaften hin oder her. Hauptsache schnell nach Hause. Aha, denke ich! Anderen geht es also so wie mir. Da hat wohl der Eine oder Andere auch sein Konditionstraining vernachlässigt. Aber ja nichts sagen! Noch nicht!

Goldenstedt über sich selbst

Die Gemeinde Goldenstedt, im Süden des Naturparks Wildeshauser Geest gelegen, wird im Osten von der Hunte, im Westen vom Staatsforst "Herrenholz" und im Süden vom "Großen Moor" eingerahmt und bietet den Erholungssuchenden zahlreiche Möglichkeiten, einige erholsame Tage in Goldenstedt zu verbringen. Erreichen können Sie uns über die Abfahrten Vechta und Wildeshausen-Nord der Autobahn A 1 "Hansalinie" (jeweils rund 20 km) oder mit der Nord-West-Bahn, die Sie stündlich zu den Bahnhöfen in Goldenstedt und Lutten bringt.

Das Freizeitangebot in und um Goldenstedt ist sehr vielfältig: Schwimmen, Wandern, Angeln, Tennis, Rudern und Paddeln auf der Hunte sowie Modellfliegen sorgen für ein abwechslungsreiches Betätigungsfeld. Durch das sehr gut ausgebaute Radwegenetz ist Goldenstedt ein Eldorado für Radfahrer und Inliner-Fans. Eine Kutschfahrt durch Felder, Wälder und Wiesen zeigt Ihnen die landschaftlichen Schönheiten von Goldenstedt.

Nach einer längeren Pause fallen die ersten Meter auf dem Rad besonders schwer. Die Muskeln müssen erst wieder warm werden und der Sattel war auch schon mal bequemer. Die Route soll jetzt über Vechta, Essen, Löningen nach Haselünne gehen. Das soll kürzer sein. Hoffentlich! Ich stelle noch schnell meinen Tacho auf „0“. Psychologie hilft hier, denke ich. 70 km bis nach Hause schaffe ich doch mit links. Die schon in den Beinen steckenden anderen 75 sehe ich auf dem Tacho ja nicht mehr.

Zwei echten Sportlern unter uns Radfahrern wird’s nach 20 Kilometern zu langsam. Guido und Michael treten los und sind nicht mehr gesehen. Ich lenke mich mit Rechenkünsten von meinem eigenen Gebrechen ab. Wenn die mit 40 km/h nach Hause fahren und wir mit 30, dann sind die bei noch zu fahrenden 50 km nur rund 25 Minuten früher zu Hause. Das lohnt ja nicht, sage ich mir, und trete langsam weiter.

In Löningen müssen wir dringend eine Pause einlegen. Es gibt schon längst nichts mehr zu erzählen. Jeder horcht in sich hinein. Beinmuskeln, Nacken, Hintern, alles noch da! Wir treffen auf die Hasetalradwanderer, die sich gerade mit einer Gulaschsuppe stärken, bevor sie weiter gemütlich nach Quakenbrück rollen.

Kurz vor Haselünne gibt einer die Parole aus, dass wir uns zu einem Abschlussbier auf dem Markt treffen. Das gibt Motivation für die letzten Meter. 156 km stehen dann an diesem Tag auf der Uhr, bei einem Schnitt knapp über 30 km/h. Doch nicht so schlecht. Da wird man so richtig schön müde, erst recht nach einem Weizenbier. Zu Hause die Beine hochlegen, ein bisschen die Augen zumachen, im Fernseher läuft Sport. So sollte der Tag ausklingen.

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