Malle 312

Radmarathon

Datum: 22.11.2018

Midlife-Crisis sagen die einen…. die anderen nennen es Abenteuer

Es gibt viele Möglichkeiten Radsport zu betreiben und jeder hat seinen ganz eigenen Ansporn, warum er gerne in die Pedale drückt. Natürlich ist es immer am schönsten unter Gleichgesinnten seine Sportart zu betreiben und sich mit gleichermaßen „Radsportverrückten“ seinem Hobby hinzugeben. Die HSV Radsportabteilung bietet für jeden etwas; ob Mountainbike oder Rennrad, ob extreme Touren oder lockere Ausfahrten- alles ist dabei. Wie in den vielen Berichten der letzten Jahre bereits geschrieben, ist jeder herzlichst eingeladen mitzumachen. Es braucht auch keiner Bedenken zu haben, dass er zu langsam ist und nicht mithalten kann. Alles Quatsch, hier gibt es ein breites Leistungsspektrum für jeden. In unterschiedlichen Trainingsgruppen und Trainingszeiten werden entsprechende Tempos gefahren, so dass jeder seinen Spaß an diesen Sport hat. Gleichermaßen „Radsportverrückte“, mit denen ich trainieren und mich austauschen kann, war genau der Grund, warum ich mich im März 2017 der HSV Radtruppe angeschlossen habe.


Alles fing damit an, dass ich für meine Triathlon-Vorbereitung einen regelmäßigen Trainingsrhythmus gesucht habe. Diesen fand ich schnell in den allsonntäglichen Rennradtouren, die mit 2 bis 3 Stunden nach dem Frühstück zum festen Bestandteil wurden. Das Fahren mit der Radtruppe hat mir so gut gefallen, dass ich für mich schnell erkannt habe, dass es mehr werden würde als nur dieser Sonntagstermin. Nicht nur das Radfahren selber sondern auch die tolle Gemeinschaft in der Radtruppe ist klasse und angenehm.
So war es auch nicht verwunderlich, dass ich im Herbst 2017 spontan zugesagt habe, als Bert Wijnhoven fragte, ob ich 2018 mit ihm und Matthias Strotmann beim Radmarathon -Mallorca 312- mitmachen möchte. Da ich bis dahin noch nie mehr als 120 km am Stück auf dem Rennrad gefahren war, wusste ich eigentlich nicht so recht, worauf ich mich da eingelassen hatte. Nach der Zusage, auf Mallorca in 14 Stunden 312 km, mit mehr als 4.500 Höhenmetern zu fahren, wusste ich, dass ich über den Winter einiges an Training bringen muss, um das zu überstehen. Der Gedanke, mir ein Mountainbike zuzulegen und bei der in den Wintermonaten stattfindenden sonntäglichen MTB-Tour mitzufahren war vorher schon klar, aber jetzt war es zwingend notwendig, den Winter durch auf dem Rad zu trainieren. Wie auch in den Jahren zuvor wurden mit der HSV-MTB Gruppe nicht nur die Wälder von Haselünne bis Meppen sondern auch im Holländischen t.Hanntje durchkreuzt. Was mich immer wieder gewundert hat war, wie viele Leute mit dem MTB im Wald unterwegs sind und diesen Sport einzeln oder in Gruppen betreiben.

Das Ziel „Malle 312“ vor Augen, konnten sogar aufgrund des milden Wetters (bis zu +9 °C) im Januar viele Kilometer auf dem Rennrad abgespult werden. So zogen sich die Trainingsrunden bis zum April 2018 hin und gaben mir persönlich noch nicht das Gefühl ich wäre gut vorbereitet. Mit einer Woche Vorlauf und Eingewöhnungsphase auf Mallorca angekommen, stand ich da und nahm mein Leihrad entgegen. Wie vorher mit meinen beiden Mitstreitern Bert und Matthias sowie dessen Frau Inka geplant, sollten in den Tagen vor dem Start des Radmarathons noch einige Trainingskilometer in den Bergen von Mallorca folgen. Ich möchte an dieser Stelle ein dickes Lob an Matthias aussprechen, der die Strecken auf Mallorca kennt, als würde er dort jede Woche fahren. Somit hatte er einen großen Anteil am Gelingen der ganzen Tour. Wer schon einmal auf Mallorca mit dem Rennrad unterwegs war, kennt bestimmt die beliebten Touren und Treffpunkte, wie z. B. die Tankstelle auf dem „Luc Major“, wo sich jeden Tag hunderte von Radfahrern treffen. Oder die Überquerung des „Puig Major“ bis nach Soller sowie die wunderschöne Strecke zum „Cap de Formentor“ und natürlich der absolute „Hammer“ und Pflicht für jeden Radsportliebhaber die Tour nach „Sa Calobra“. Diese Vorbereitungstouren an vier Tagen ergaben zusammen gerade einmal 130 km mehr als die 312 km, die wir am Sa. in 14 Stunden fahren sollten. An den letzten Tagen vor dem Start kamen uns immer wieder Zweifel, ob wir das wirklich schaffen. Es hatte sogar den Anschein, dass selbst die Kellner im Hotel daran zweifelten und so schenkten sie uns das verdiente Feierabend-Bier am Ende der letzten Tagestour nur in 0,04 cl - Gläsern aus.

Zwei Tage vor dem Start wurde unsere kleine Truppe durch Inkas Bruder Jörn und dessen Sohn Fynn ergänzt. Jörn hatte sich für die kürzere Strecke mit 225 Km angemeldet und Fynn wollte mit Inka zusammen zur Unterstützung und Begleitung an der Strecke dabei sein. (Ein Hinweis sei hier
gestattet, ich habe den höchsten Respekt vor Inka, die in den Trainingstagen zuvor genauso mit uns die Berge rauf und runter gefahren ist.) Nach der Akkreditierung und dem Erhalten der Startunterlagen ging es nun an die Vorbereitungen für den großen Tag. Vom Prüfen und Laden der Radcomputer und Uhren bis zum Checken des Verpflegungsplans sowie Proviant und Trinkflaschen, dem obligatorischen Rad-Check und natürlich mit dem Eincremen des Sitzpolsters der Radhosen waren alle Vorbereitungen abgeschlossen. Dann war es soweit. Nach einer unruhigen Nacht, die mehr durch zwei Mücken im Zimmer als durch die Aufregung auch viel zu kurz war, standen wir nun mit über 8.000 motivierten Radlern im Startbereich des 9. Mallorca 312 – Rennens. Jeder der schon einmal bei einer Sport-Großveranstaltung dabei war, kann sich ungefähr vorstellen, was das für ein Gewusel ist. Alle Teilnehmer stehen da, voller Adrenalin und Anspannung und warten auf den Startschuss. DieserMoment ist unbezahlbar und immer wieder einer der schönsten. Nach dem Startschuss um 7:00 Uhr konnten wir vier zusammen 16 min. später endlich über die Startlinie fahren (auf zwei Straßenhälften wurden je 4.000 Teilnehmer durch zwei Startschleusen von nur 3 m Breite geleitet, das dauert halt
einige Minuten). Der Anfang war gemacht und das Abenteuer konnte beginnen. Nach einer lockeren ersten Einrollphase in einem riesigen Feld zog sich dieses Feld am ersten Anstieg ganz schnell auseinander; wie eine endlose Schlange die ersten 800 Höhenmeter rauf in Richtung „Puig Major“ und dort zum ersten von fünf Checkpoints mit Versorgungsstelle. Nach den schweren Anstiegen, wo man sich oft hinterfragt warum man das macht, mit zum Teil Geschwindigkeiten um die 10 - 15 Km/ h, folgten Abfahrten mit Geschwindigkeiten von 75 Km/h und höher, die mir persönlich immer wieder einen Kick gaben und die Quälerei beim Anstieg allesamt rechtfertigten. Im Verlauf des Tages und bei der Anzahl der Teilnehmer ist es auch durch unterschiedliche Leitungsniveaus von uns vier,doch bis zur Mitte des Rennens immer wieder vorgekommen, dass wir uns am Checkpoint oder auf der Strecke gesehen und uns gegenseitig motiviert haben. Nach den vielen zermürbenden Berg auf und Berg ab -Abschnitten und dem Erreichen des letzten Checkpoints in Arta warteten die Einheimischen und angereisten Zuschauer mit einem „kleinen Bier“, um die Teilnehmer auf die letzten 30 Km ins Ziel zu schicken. Ich habe innerlich für mich jeden der fünf Checkpoints gefeiert undmit Gänsehaut erlebt. Die Zuschauer bejubelten jeden Teilnehmer als sei er der beste Sportler der Welt. Aber das größte Glücksgefühl erlebt man bei der Überquerung der Ziellinie, die ich dann um 21:09 Uhr in Playa de Muro erreicht habe. Da brechen alle Emotionen aus einem heraus und ich war gefühlt Olympiasieger und Weltmeister gleichzeitig. Nach 13 h 53 min. hatte ich dieses Ding -Mallorca 312- geschafft. Müde, erschöpft und ausgepowert aber glücklich. Wir vier sind alle heile und gesund durch den Radmarathon gekommen. Das kann nicht jeder sagen, es gab im Verlauf des Rennens immer wieder Stürze und Ausfälle, die auch wirklich unschön waren. Das lässt sich aber bei jeder großen Radveranstaltung nicht vermeiden. Da immer einer der Meinung ist, er kann den Berg noch schneller runterfahren und sich überschätzt oder es wird jemand unachtsam weil die Kräfte und Konzentration nachlassen. Bert, mein lieber Freund- Dir an dieser Stelle ein ganz besonderer Dank dafür, dass Du mich „mitgenommen“ hast zum legendären Radmarathon - Mallorca 312 - Unbezahlbar!!! …aber wie du ja weisst „ 50 € sind 50 € “ ?

Jürgen Peters

Bild 01: Inka und Matthias auf Trainingsfahrt rauf zum „Luc Major“

Bild 02: Bert mit dem extra großen Feierabend Bier

Bild 03: Der Puig Major, die andere Seite Mallorca´s weit weg vom Ballermann ?

Bild 04: Das Gewusel im Start/Ziel Bereich am Rennmorgen

Bild 05: noch schnell das letzte Selfie vor dem Startschuss

Bild 06: Bert und Jürgen beim lockeren Einrollen auf den ersten Rennkilometern

Bild 07: Jörn und Jürgen bei einer der vielen kleinen Abfahrten

Bild 08: Ein glücklicher Matthias nach 13h 34min. bei der Zieleinfahrt

Bild 09: Der Zielbereich ab 21 Uhr mit Fans und Entertainment

Bild 10: Der verdiente Lohn die „312“ Medaille

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