Die Haselünne Radfahrer

Ein nicht ganz ernst gemeintes Selbstportrait

Datum: 25. Juni 2004

Hier und da erreichen unseren „Präsidenten“ Anfragen von Radfahrern, die Anschluss an Gleichgesinnte suchen, weil sie das ewige Alleinfahren leid sind. Das ist an sich ein guter Gedanke, denn Bewegung soll ja die Gesundheit steigern. Allerdings möchten wir auf einige nicht ganz ernst gemeinte Unterschiede aufmerksam machen, die den geneigten Rennradfahrer in spe die Folgen seiner  Entscheidung verdeutlichen sollen.

In Straßenkleidung gehüllt wird man kaum Unterschiede in Aussehen, Benehmen oder Nahrungsverhalten zwischen Normalbürgern und Rennradlern erkennen können. Gehen wir jedoch unserem Hobby nach, werden die Unterschiede deutlich.

Beim Aussehen fällt zunächst die zumeist bunte, aber immer hauteng geschnittene Funktionsbekleidung auf, die natürlich nur aerodynamischen Anforderungen genügt und niemals den Stars der Branche nacheifert. Wer sich damit nackt vorkommt, liegt vollkommen richtig. Es hilft aber nichts. Beim näheren Hinsehen fällt anschließend die fehlende Beinbehaarung auf, die bereits eine Antwort der natürlichen Wuchsform auf die veränderten äußeren Bedingungen darstellt. Ab 40 km/h wachsen halt keine Haare mehr. Anders beim obligatorischen Helm. Der dient in erster Linie dazu, die Haare da zu belassen, wo sie hingehören.

Beim Nahrungsverhalten werden zwei Welten offenbar. Selbst bekennende Feinschmecker, werden beim Radeln zu Spartanern. Auch wer die geschmacklichen Unterschiede zwischen einem 94er und 97er Chateau Margaux  erkennen kann, begnügt sich auf sommerlicher Tour mit warmer Apfelschorle ohne Kohlensäure, aber mit einem Hauch Polyethylen.

Auch wer die heimatliche Spitzengastronomie zu schätzen weiß, übersteht als Rennradfahrer den 250 km Marathon mit trockenem Rosinenbrot, unreifen Bananen, klebrigen Müsliriegeln und kalten Nudeln.

Mittwochs und Donnerstags treffen wir uns zu den geselligen Trainingsrunden. Mittwochs um 18:15 Uhr die schnelleren; Donnerstags um 18:00 Uhr die vermeintlich langsameren. Die Begriffe langsam und schnell haben hier allerdings nichts, wie man meinen könnte, mit der körperliche  Leistungsfähigkeit zu tun. Sie beziehen sich ausschließlich auf die schon traditionelle Gepflogenheit, in welcher Art und mit welcher Geschwindigkeit gefahren wird.

Mittwochs sieht das so aus: Wir treffen uns so ab 18:00 Uhr an der Plesse ungezwungen, unterhalten uns über die Radfahrerlebnisse der vergangenen Woche und berichten, das man eigentlich schlecht drauf sei und eine ganz ruhige Trainingsrunde wünsche. Dem stimmen rund die Hälfte aller Sportsfreunde zu. Pünktlich um viertel nach sechs wird eigentlich losgefahren, aber keiner traut sich den Weg vorzugeben. Zu viele Abwägungen sind vorzunehmen. Aus welcher Richtung weht der Wind, wie lange ist es hell, wird es regnen, welche Strecke ist attraktiv, wo findet sich der glatteste Asphalt?  Nachdem sich so gegen 18:25 Uhr doch jemand gefunden hat, mit dem Training zu beginnen, fahren alle andere diskussionslos hinterher.

Nun beginnt der 3 –Phasen Härtetest:

  • 1. Phase: In Zweierreihe wird Haselünne auf ruhigen Nebenstraßen, aber immer gegen den Wind verlassen, denn den Rückenwind brauchen wir später noch. Das Tempo ist moderat. Die Gespräche sind anregend, Fachsimpeleien über Material und Trainingsmethode gehören zum Alltag. Die an der Spitze Fahrenden lassen sich nach kurzer Führung in den Windschatten zurückfallen, um Kräfte, oder, wie der Kenner sagt, Körner zu sparen.
  • 2. Phase: Der Wind weht seitlich. Das Tempo wird höher, die Gespräche verstummen allmählich.  Trinken und Nahrungsaufnahme werden zunehmend schwieriger. Vorne findet man nur noch die ambitionierten Fahrer. Alle andern versuchen irgendwie Anschluss zu halten.
  • 3. Phase: Mit dem Wind im Nacken, wird der Drang wieder nach Hause zu kommen, so stark, dass Auflösungstendenzen in der Gruppe sichtbar werden. Getrunken wird jetzt nichts mehr. Das ist auch gar nicht möglich, denn der Pulsmesser zeigt in den roten Bereich, der Schweiß rinnt in Strömen. Der wahre Jagdtrieb setzt ein und treibt das Adrenalin zu Höchstwerten. Auf Zurückbleibende kann jetzt keine Rücksicht mehr genommen werden. Vorne wird gekämpft, als ginge es um den Sieg bei Lüttich-Bastogne-Lüttich. Hinten wird sich zum Gruppetto vereinigt

Wieder in Haselünne sind sich alle einig, dass wir das nächste Mal unbedingt langsamer fahren sollten. Aber daraus wird natürlich nichts, denn Tradition ist nun mal Tradition.

Was gibt es sonst noch zu berichten?

Zunächst einmal hat Klaus Ortwig mit Bier, Saft und Frikadellen seinen Abschied aus Haselünne gegeben. Er zieht aus beruflichen Gründen nach Ostfriesland und wird daher nur noch selten mit uns gemeinsam Radfahren können. Wir wünschen Ihm viel Glück für seinen weiteren Weg.

Für viele Radfahrer steht das Jahr 2004 wieder mehr die Gemeinschaft im Vordergrund. Samstags oder Sonntags treffen sich regelmäßig einige Radfahrer, um ruhig einige Kilometer in schöner Landschaft zu fahren. Um Wertungspunkte im Rahmen der Radtourenfahrten wird weiterhin gefahren, aber die Summe weiter Anfahrten zu den Veranstaltungen hat deutlich abgenommen.

Am 8. Mai wurde zum zweiten Mal der Radmarathon in Bramsche ausgerichtet. 5 Starter aus Haselünne waren mit dabei: Michael Josch, Berthold Pfeifer, Werner Tänzler, Martin Nieters und Holger Brand. Einer verlor die Orientierung, einer kürzte ab und fuhr nach Hause und drei erreichten nach rund 250 km das Ziel. Die Teilnehmer wissen, wer gemeint ist.

Am 13. Juni wurde in einem 13,3 km Einzelzeitfahren der schnellste Haselünner gekürt. Wie in den Vorjahren ging die Trophäe bei windigem Wetter an Michael Josch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 41,03 km/h. Bernhard Mathlage wurde zweiter mit 38,30 km/h gefolgt von Werner Tänzler mit 38,12 km/h. Aber auch der Letztplazierte ereichte noch eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 30 km/h.

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