Rennradfahren

...für einige mehr als nur ein Hobby!

Datum: 10.03.2015

Rennradfahren, für einige mehr als nur ein Hobby

(Rückblick 2014 von Berthold Pfeiffer/ Michael Josch)


Was machen die Haselünner Radsportler im Winter? Die meisten warten auf schönes Wetter, einige spielen im Matsch (MTB),  andere wie Holly W, Guido Hengemühle und Willi Schulte bereiten sich auf den Hamburg Marathon vor. Genau der richtige Zeitpunkt, um über jemanden von uns zu berichten, für den Radsport deutlich mehr ist als ein Hobby, mehr als eine Passion, vielleicht schon ein Stückchen Lebensinhalt.  Dieser Jemand (Berthold) ist im Winter schon wieder mitten in der Vorbereitung auf das Jahr 2015. Als ich Berthold angesprochen habe ein paar Stichpunkte zu schreiben, bekam ich nachfolgenden Bericht geschickt, natürlich aus seiner Wahlheimat in den Wintermonaten Spanien.

Mein  Radsportjahr 2014
Zum Jahreswechsel 2013/14 konnte ich meinen langgehegten Traum erfüllen und mir ein Wohnmobil zulegen, sodass sich nun unabhängig  die verschiedensten Radsportveranstaltungen oder Reiseziele Europas ansteuern ließen.

Ein Traum ist wahrgeworden, ausgestattet wie die Profis


Anfang Januar noch auf dem MTB und bei der Westfalen-Winterbike-Trophy unterwegs, lockte mich Wärme und Sonne in Spaniens Süden. So lud ich im Ziel der CTF in Werne nach 63Km mein MTB auf den Heckträger und startete durch. Vom Matsch ans Mittelmeer, im Gepäck außerdem  zwei Rennräder und ein Cityrad. An der Costa Blanca in Spanien kam ich zum Stehen. Die schöne Gegend, das milde und gesunde Klima hielten mich drei Monate in seinem Bann. Die dortigen Touren boten alles, Berge-Flachetappen- Wind-schmackhafte Pausen in Tapas Bars oder sogar einen Besuch der Andalusien-Rundfahrt. Meine Kilometer stiegen in Etappenlänge als auch Wochenkilometern. Dennoch kamen Genuss, Erholung und Kultur nicht zu kurz. Am Ende dieses Aufenthalts schaute ich Anfang April bereits auf 8300Km.
Nach 2360Km Autofahrt gen Norden empfing mich die Heimat mit typisch Haselünner Aprilwetter. Brrrrr! Wetter hin oder her! Mit der Vereinswertungsfahrt in Steinfurt mit mehreren HSV-lern war es ein lockerer Einstieg in die RTF-Saison 2014. Den Beinen machte das durchaus flotte Tempo gar nichts aus. Noch zwei RTFs bis zur Etappenfahrt Dortmund-Winterberg und zurück. Die sauerländischen Höhenmeter stellten über Ostern schon keine Schwierigkeit mehr dar.
 Angesteckt von der NordCup-Begeisterung meiner Mitradlerin meldete ich mich zur Radmarathonserie in Schleswig-Holstein/Hamburg, dem NordCup, an. Nun wechselten sich NordCup-Marathons im Norden Deutschlands mit Marathons der RMCD-Serie des BDR quer durch die Republik ab. Erwähnenswert davon sind z.B. Bimbach bei schlappen 34°C, Tharandter Wald mit sintflutartigem Niederschlag und Wasserdurchfahrten tiefer als der untere Pedalenstand, der Jura-Marathon im tiefbayrischen Lupburg mit einer herausragenden Verpflegung.

Doch nicht nur in der Ferne, sondern auch zu Hause gab es schöne Radkilometer. Zweimal in der Woche legten Ernst und ich viele Kilometer zurück. Feste Tage im Trainingsterminkalender gehörten dem roten Korsar (Spitzname von Ernst Plenz) und mir. Unser Lieblingsziel Ankum an der Kirche und die Tasse Kaffee bzw. das Eis.

Bertholds Radsportjahr hat 365 Tage, immer auf dem Rad und doch ist jeder Tag anders.

 

Ein treuer Begleiter, Ernst der rote Korsar 


Eine Etappenfahrt von Amiens (Frankreich) entlang der Küste durch Belgien und Niederlande zurück nach Deutschland (740km), 5 Tage ohne einen Tropfen Regen krönte den Juni. Danach folgten mehrere Regenfahrten.
Hohes Tempo bei einer  weiteren Vereinswertungsfahrt, diesmal zur RTF in Lengerich forderte bei  uns allen in einer 35°C heißen Affenhitze alles. Die Aussicht auf kühle Getränke bei Ernst halfen uns nach Haselünne. Zuhause angekommen, fast keine Zeit zum Duschen, ging‘s sofort weiter nach Luxemburg zur nächsten RTF.
Die Woche drauf folgte ich dem Ruf zur Vereinsfahrt nach Willigen. Schöne Touren unter anderem zum Kahlen Asten und die angenehme Atmosphäre in der gesamten Gruppe ließen diese Vereinsfahrt zu einem vollen Erfolg werden. Mit weinendem Auge reiste ich von hier zum Auftakt des Bundesradsporttreffens in Werne(Münsterland), um am Sonntagmorgen beim dortigen Marathon starten zu können. Nun folgte eine abwechslungs-, erlebnis- und kilometerreiche Woche, deren Abschluss der letzte NordCup-Marathon in Kaltenkirchen (SH) bildete. Eine Woche später startete ich in Dortmund beim Sauerland extrem-Marathon über 254Km und 4000Hm. Diese anspruchsvolle Strecke kann ich jedem gut trainierten Marathonfahrer nur empfehlen. Statt Erholungsschlaf hinterher wurde ich in der Nacht gleich zweimal von Dieben geweckt, die versuchten, meiner Rennräder habhaft zu werden.

Nahtlos daran unterstützte ich die deutsche Langstreckenradsportveranstaltung Hamburg-Berlin-Köln(-Hamburg, 1539Km) des Audax Clubs Schleswig-Holstein als Helfer am Kontrollpunkt Rösrath bei Köln und sammelte ganz neue Erfahrungen beim 52-stündigen Einsatz an einer Kontrolle.
Von Rösrath aus steuerte ich Richtung Süden, zunächst mit einer Permanenten in Limburg (Do) als Einstiegsrunde. Wie schön fühlte sich doch das Radfahren wieder an! Weiter nach Rottenburg (Oberbayern) zur RTF an Mariä Himmelfahrt ( Fr), Samstag schon wieder in NRW zum Marathon in Lippstadt und Sonntag nur noch die RTF in Bocholt nahe der niederländischen Grenze. Nach diesem 10 Tagesblock stand nun erstmal Ausruhen an.
Kaum wieder zu neuen Kräften erwacht, steuerte ich mein Wohnmobil erneut gen Süden, zunächst  über die Rheinenergie-RTF in Köln, weiter nach Laichingen in der schwäbischen Alb zum Leineweber-Marathon. Einige 1000 Regentropfen und bis auf 8°C fallende Tagestemperaturen im August prägten diese Tour.
Dafür gab es eine Woche später noch einmal richtig sommerliche Temperaturen bei der RTF in Bielefeld. Die Wetterprognose darauf ließ uns gen Osten nach Auerbach im Vogtland(THÜ) steuern. Der TUJA-Marathon, durch Tschechien und zum Fichtelberg lockte. In einer Abfahrt brachten mich größere Risse im Asphalt vom Kurs ab. Trotz einiger Blessuren konnten wir einen Tag später noch eine schöne Permanente in der Region Jena absolvieren.
In diesem Zeitraum (Mitte September) überschritt ich die 20.000Km-Marke auf meinem Radtacho. Doch keine Zeit zum Ausruhen, denn das Vereinszeitfahren stand an.  Danke an Ernst und Hedwig für die Ausrichtung des  leiblichen Wohles hinterher mit ideenreicher Gestaltung!
Als Nächstes steuerte ich nach Osten: die Marathons „zum Fläming“ von Berlin aus und „der Rostocker“  ließen sich ideal miteinander verbinden, bevor es nach Norden zum Marathon „Ein Herbsterlebnis“ als Brevet gefahren, von Aumühle (SH) aus über das Wendland (NDS) und Boitzenburg (MV)  ging. Auf dem Weg lag noch die RTF in Büdelsdorf (SH) bei herrlichem Herbstwetter. Beide Veranstaltungen brachten mir weiter den Norden näher.
Mit dem Almabtrieb bei Kiel am 3. Oktober schloss nur Schleswig-Holstein seine RTF-Saison ab. Für uns ging’s direkt danach weiter nach Prenzlau (BRA) zum letzten RMCD-Marathon der Saison. Die nahegelegene RTF von Fürstenberg/Havel rundete dieses verlängerte Wochenende im nordöstlichen Brandenburg ab.
Zurück in Haselünne stand die Abschlussfahrt des HSV an, die ich koordinativ bedingt alleine bestreiten durfte. An diesem Tag endete meine RTF-Saison 2014 mit 12366 RTF-Kilometern sowie 320 Punkten, welches Platz 2 in der Altersklasse in Niedersachsen sowie Platz 1 in der Weser-Ems-Wertung ergab.
Nach der RTF-Saison beginnt die CTF-Saison, die ich noch mit Crossrennen des Weser-Ems-Cups verknüpfte.  CTFs, z.B. in Paderborn(NRW), Cadenberge(NDS), Aumühle(SH), Bitterfeld(SAH), Schleswig(SH), Schlüchtern (HES) standen nun im Visier. Von den CTFs möchte ich die OCTF, = OrientierungsCTF erwähnen. Ein neuer Weg der Durchführung einer CTF, nur mit Navi und ohne Ausschilderung.
Zwischendrin brachte ein Rad- und Wanderurlaub in der Sächsischen Schweiz viele Höhenmeter, weitere Kilometer und mir eine ganz neue Gegend näher. Dies wäre eine tolle Gegend für unsere Mountainbiker.
Mit Blick auf eine beabsichtigte Brevetteilnahme am 27. Dezember musste ab Ende November das Rennrad wieder rollen und lieferte in der Vorbereitung weitere Kilometer. Direkt im Anschluss an Weihnachten bewies Petrus, dass er doch Radfahrer sein kann. Denn an diesem Tag radelten wir von Boekelo (Niederlande) aus 210 Km am Rande einer Schneefront nach Tecklenburg und zurück, während wenige Meter südlicher, Schneechaos herrschte. Die gut 150Km Gegenwind erforderten neben den Temperaturen allerdings viel Durchhaltevermögen. Im Ziel zeigte das Thermometer nur noch -2°C.
Eine kleine Erholungspause später saßen wir wieder im Sattel, diesmal auf dem MTB und fuhren während der CTF in Groenlo (NL) bei Ludwig durch die Kneipe. Zum Jahresabschluss am 31.12.14 starteten wir an der Radrennbahn Hannover zur CTF. Danach endete mein Radsportjahr 2014 mit 25343 Gesamtkilometern und über 900 Stunden im Sattel. Eine für mich bombastische Fahrleistung, die mir zu jeder Zeit Spaß bereitete, nie langweilig war und in der aus meiner Mitradlerin eine Partnerin fürs Leben wurde.
                                                                                       Berthold Pfeifer, Torreveija (Spanien) im März 2015

Berthold wir alle ziehen den Hut vor diesem unglaublichen Radsportjahr 2014 mit Deiner wahnsinnigen Leistung.
Und wünschen Dir auch in 2015 weiterhin so viel Spaß auf 2 Rädern und  bleib Gesund, über Deine körperliche Fitness kann man sowieso nur Staunen. (Berthold ist BJ 1949!!!)

Berthold ist nicht nur bei der Jahreskilometerleistung von 25343km ganz weit vorne

Kleine Radsportkunde


RTF:
Radtourenfahrt  / Radsportveranstaltung mit dem Rennrad auf einer ausgeschilderten Strecke ohne Zeitnahme und Platzierung, Streckenlänge 45-170km, fester Veranstaltungstermin, viele Teilnehmer,

Radmarathon:
wie RTF, aber Streckenlänge größer als 200km, fester Veranstaltungstermin, viele Teilnehmer,

CTF:

Country –Tourenfahrt wie RTF nur mit dem MTB im Gelände, keine Zeitnahme,
Streckenlänge  25-75km, fester Veranstaltungstermin, viele Teilnehmer,

Permanente:
Radtourenfahrt, die jederzeit anhand einer Streckenbeschreibung absolviert werden kann, Streckenlänge 45-80km, ganzjährig, kein fester Veranstaltungstermin,

Brevet: 
Langstreckenfahrt  200-1200km, vorgegebene Strecke, jeder Teilnehmer legt seine Geschwindigkeit, Pausen selbst fest.

RMCD:
Radmarathon Cup Deutschlands, eine Radmarathon-Serie mit 16 Veranstaltungen des BDR (Bund Deutscher Radfahrer),

Termine

 

 

 

 

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